Enterprise 2.0: Web 2.0 im Unternehmensumfeld

Seit einiger Zeit taucht in den Fachmedien vermehrt der Begriff „Enterprise 2.0“ auf. Geprägt wurde dieser Begriff von Andrew McAfee, Professor an der Harvard Business School, in seinem 2006 erschienenen Artikel „Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration“ (PDF). McAfee beschreibt darin, wie die typischen Web-2.0-Anwendungen im Unternehmenskontext angewendet werden können, um die Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern zu verbessern. Er definiert dabei diese typischen Web-2.0-Anwendungen im Unternehmen mithilfe des Apronyms SLATES (dt. Schiefertafeln). Es steht für die Abkürzung von Search, Links, Authorship, Tags, Extensions und Signals.

Demnach funktioniert das Suchen (Search) von Informationen im Internet deutlich besser als in Intranets, weil eine grosse Masse von Nutzern durch Links diese Informationen strukturieren und werten, was wiederum von den Suchmaschinen ausgewertet werden kann. Damit Unternehmen auch von dieser „Weisheit der Vielen“ profitieren können, müssen sie mittels Autoren-Tools (Authorship) und Verschlagwortung (Tags) den Mitarbeitern ermöglichen, eine vergleichbare Masse an Informationen herzustellen. Mit Erweiterungen (Extensions) können diese neuen Tools in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden und Technologien wie RSS-Feeds (Signals) machen Änderungen verfolgbar.

Dieser Text wurde ursprünglich am 23.12.2008 um 16:34 Uhr auf dem mittlerweile eingestellten Corporate Blog von aseantic ag, Biel veröffentlicht. Das Original ist offline. Die Wiederveröffentlichung erfolgt im Sinne des Fair Use unter der GNU FDL 1.2 Lizenz.

Eine Definition von Enterprise 2.0

Enterprise 2.0 umfasst also Anwendungen, die durch das Web 2.0 bekannt geworden sind. Diese Anwendungen fördern Zusammenarbeit und Informationsaustausch bei der Generierung von Inhalten. Daher spricht man oft auch von Social Software. Anlässlich des European ICT Forums 2007 in Berlin definierte McAfee den Begriff wie folgt:

„Enterprise 2.0 bezeichnet den Einsatz sich selbst entwickelnder Social-Software-Plattformen innerhalb des Unternehmens beziehungsweise zwischen dem Unternehmen und seinen Partnern oder Kunden.“

Social Software steht quer in der Unternehmenslandschaft

Social Software zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus, die im Unternehmenskontext mitunter problematisch sein können:

  • Sie basieren auf einer Plattform,
  • sie werden gemeinschaftlich (kollektiv) bearbeitet, gepflegt und genutzt,
  • sie sind komplementär zu den existierenden Strukturen sowohl organisatorischer wie auch technischer Art,
  • Sie sind konvergent (Konvergenz: das Zusammenstreben und Aufgehen verschiedener Teilbereiche zu einem Ganzen) und
  • sie sind emergent (Emergenz: das Erscheinen von Phänomenen auf der Makroebene eines Systems, die erst durch das Zusammenwirken der Systemelemente zustande kommen), d.h. sie sind sich selbst entwickelnd (dynamisch, erweiterungsfreundlich, nicht elitär und Workflow-frei).

Social Software lässt sich also nur bedingt in eine (bestehende) Struktur pressen. Sie entwickeln sich vielmehr in einer eigenen Dynamik selber weiter. Die Integration solcher, sich selbst organisierender Technologien in ein Unternehmen erfordern einen Wandel der Unternehmenskultur. Die bestehenden Hierarchien müssen bereit sein, bis zu einem gewissen Grad ein „kontrolliertes Chaos“ zuzulassen. Diesen Kulturwandel habe ich hier in meinem Beitrag über das Reifegrad-Modell für Intranets bereits angesprochen.

Vorteile von Enterprise 2.0

SLATESWarum also sollte ein Unternehmen Social Software aufgreifen und damit arbeiten? Ein grosser Vorteil liegt z.B. im Wissensmanagement. Die beste Knowledge-Management-Lösung ist nutzlos, ohne die Menschen, die hinter dem dort abgelegten Wissen stecken. Die meisten von uns neigen gerade in der Ablage und Organisation von Wissen zu einem „kreativen Chaos“ – wir lassen uns nur ungern in ein starres Regelsystem pressen. Social Software kommt hier mit ihrem spontanen, nutzerorientierten Ansatz unseren Arbeits- und Denkweisen sehr entgegen.

Ein weiterer Vorteil ist die veränderte Kommunikationskultur. Klassischerweise geschieht diese in Unternehmen Top-Down, von oben nach unten. Social Software ermöglicht hier einen Partizipationsschub, der mit dieser Form der Kommunikation bricht und den Weg ebnet für einen kollaborativen Umgang. Dadurch wird die Teilhabe am Unternehmen einfach(er), unmittelbar(er), offen(er) und somit auch für den Einzelnen „erlebbarer“. Die Mitarbeiter sind nicht mehr nur Empfänger, sondern zugleich auch Sender. Damit steigt nicht nur die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, sondern oftmals auch die Produktivität.

Die Vorteile von Social Software sind im Endeffekt also ökonomischer Natur: Steigerung der Produktivität, Beschaffung und Verkauf werden effizienter, Vereinfachung der internen und externen Kommunikation sowie zeitliche Verkürzung der Produkteentwicklung.

Es liegt darum auf der Hand, dass alle Anbieter von bestehenden Lösungen fieberhaft daran arbeiten, Social Software in ihre Pakete zu integrieren. Mehr dazu in meinem nächsten Beitrag nach den Festtagen.

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Bildquelle: Dion Hinchliffe

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