Information als Bringschuld: Enterprise Microblogging

Brain-Computer-BusEiner der m.E. elementaren Eigenschaften aller Enterprise 2.0 Lösungen ist, dass Informationen in den meisten Fällen plötzlich nicht mehr eine Holschuld des Mitarbeiters darstellen, sondern es vielmehr so ist, dass die richtigen Informationen die richtigen Mitarbeiter finden. Ein gängiges Werkzeug dazu ist das Enterprise Microblogging mit dem daraus resultierenden Stream bzw. Informationsstrom. Dies hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass das Mailaufkommen massiv reduziert werden kann. Bald sollen nun auch Ergebnisse der Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) in diese Tools Eingang finden.

Was ist Enterprise Microblogging?

Enterprise Microblogging ist der Austausch kurzer Informationshappen im Unternehmen (Teams, Themen und Projekte; aber auch die Maschine-Mensch-Kommunikation) um informelle, soziale und aufgabenbezogene Sichtbarkeit zu schaffen. Es stellt einen Paradigmenwechsel dar und wird zum festen Bestandteil der Kommunikation im Unternehmen.

Der entstehende Informationsstrom kann durch die Anwender auf verschiedene Art und Weise zusammengestellt und gefiltert werden, um die persönliche Relevanz zu gewährleisten; zudem bleiben alle Nachrichten als Referenz bestehen und sind für den späteren Zugriff durchsuchbar.

Daraus ergenben sich die folgenden Vorteile (Quelle):

  • Dokumentation: Nachvollziehbare, strukturierte Aufzeichnung der Kommunikation in Microblogs ohne zusätzlichen Zeitaufwand.
  • Transparenz: Schaffen von Awareness. Kommmunikation nach Bedarf offen oder diskret.
  • Geschwindigkeit: Schnelle und einfache Kommunikation über Mikroinformationen.
  • Struktur und Organisation: Strukturierte Microblogs nach Projekten, Teams und Themen.
  • Mobilität: Ideen und Gedanken können zu jeder Zeit an jedem Ort mit Anderen geteilt werden. Informationen sind von überall abrufbar.
  • Vernetzung: Microblogging erzeugt eine stärkere Bindung von Menschen in Projekten und verteilten Teams.
  • Sicherheit: Notwendige Sicherheit und Administrationsfähigkeit einer Unternehmensanwendung.
  • Integration in vorhandene Informations- und Kommunikationsstrukturen.

Für den Einsatz im Unternehmen bietet Enterprise Microblogging also zwei markante Vorteile: 1. Aktivitätsströme von Mitarbeitern, Arbeitsteams, Abteilungen, aber auch Maschinen, Produktionsschritten werden transparenter, und 2. die Koordination und Steuerung gemeinsamer Aktivitäten wird deutlich vereinfacht.

Anwendungsfälle: Bringschuld der Information

Aus diesem Gemisch aus (un)adressiertem Senden, Folger-Strukturen, Mikro- und Instant-Dialogen und Entscheidfindungen aufgrund von "Gefällt mir"-Klicks ergeben sich vielfältige Anwendungsfälle. Zwei sind im Hinblick auf die neue Bringschuld der Information besonders interessant. Nicht nur, dass alle Mitarbeiter jederzeit über den Fortlauf ihrer Angelegenheiten und Projekte informiert sind, sie werden (1) auch automatisiert durch eine Maschine-Mensch-Kommunikation von allen relevanten Datensätzen informiert, wenn es Änderungen oder neue Versionen gibt. Darüber hinaus wird (2) der Stream zur neuen, zentralen "Inbox", in dem alle relevanten Kommunikationen zusammenlaufen: personalisierte Inhalte, Mail und Kalender, Netzwerk-Updates sowie Content aller Art.

Avtivity Stream Pyramid - IBM

KI rückt Inhalte in den Mittelpunkt

Damit aber die richtigen Informationen automatisiert die richtigen Nutzer erreicht, müssen die Inhalte zuerstdurchsuchbar gemacht, bewertet und in den richtigen Kontext gestellt werden. Bisherige Systeme stossen hier schnell an ihre Grenzen, z.B. wenn es darum geht, freien Text einem Stichwort zuzuordnen, wobei der Text dieses Stichwort nicht enthält. Hier kommen nun Ansätze aus der KI-Forschung zum Zuge. Im Gegensatz zu früher versucht die KI-Forschung heute nicht mehr, Systeme mit einem "Bewusstsein" zu erstellen, sondern begnügt sich damit, mittels neuronaler Netze Teilfunktionen des Gehirns nachzuahmen, die anschliessend für bestimmte Aufgaben trainiert werden. Als Lernumgebung sind Aufgaben nötig, die von geübten Könnern mehr oder wenig automatisch, ohne grosse Denkleistung, erledigt werden können. Also z.B. eben die eben erwähnte Zuordnung von Texten zu Stichworten. Es entstehen also digitale Strukturen, die denen des Gehirns so ähnlich sind, dass sie, nach Training in geeigneter Umgebung, ähnlich operieren wie ein Gehirn. Das System versteht also weiterhin die Texte nicht (dazu fehlt im eben das "Bewusstsein"), sondern beschränkt sich auf das Nachahmen des Erkennens.

So könnten in Zukunft solche Systeme Millionen von Dokumente nach komplexen Mustern durchsuchen, ohne dabei zu ermüden (also ohne Unterbruch) und das erst noch viel schneller als Menschen. Entsprechend trainiert versorgen sie also den Menschen mit der richtigen Information zur richtigen Zeit - automatisch, ohne vorherige Nachfrage durch den Menschen. Übertragen auf die Enterprise IT bedeutet dies, dass es bald keine Rolle mehr spielen könnte, ob eine Information per E-Mail, über soziale Netzwerke oder als Postdokument eingeht. Einmal verarbeitet steht sie zur Verfügung.

Bildquelle: ddpavumba / FreeDigitalPhotos.net

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microblogging, KI, yammer, wissensmanagement

Von

 

Kommentare

Lukas

Sehr guter Artikel! Dazu empfehle ich einen Blogpost:

"20 Anwendungsfälle für Enterprise Microblogging in Unternehmen und Organisationen"

http://blog.swabr.com/2013/01/10/20-anwendungsfaelle-fur-enterprise-microblogging-in-unternehmen-und-organisationen/

Viele Grüße
Lukas

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