Intranets im Jahr 2013: grösser, sozialer und arbeitsintensiver

IntranetDie Nielsen Norman Group (NN/g) rund um den bekannten Experten Jakob Nielsen gibt seit 2001 jährlich eine Liste mit den zehn besten Intranets der Welt heraus. Schweizer Unternehmen sind auf dieser Liste regelmässig vertreten und konnten sogar schon sieben Mal den ersten Rang belegen. 2013 hat es nicht ganz zum Sieg gereicht, aber immerhin sind mit der Luzerner KB und der Mobiliar gleich zwei Unternehmen auf der Liste. Begleitet wird die Liste jeweils von interessanten Insights: zu den längerfristigen Trends gehören u.a. angereicherte persönliche Profile und personalisierte Startseiten. Zu den Neuheiten zählen die Einbettung sozialer Funktionen sowie bessere Informationsfilter. Zudem basieren sieben der besten zehn Intranets auf SharePoint, wobei jeweils starke individuelle Anpassungen vorgenommen wurden. Nächste Woche besteht übrigens in Bern die Möglichkeit, im Rahmen der Intranet-Konferenz eines der Top-10-Intranets besser kennenzulernen. Leser des Wortgefechts können übrigens noch verbilligt an der Konferenz teilnehmen (mehr am Ende des Beitrags).

Hier die Top 10:

  • Acorda Therapeutics (USA)
  • American International Group (USA)
  • AT&T (USA)
  • Hager Group (Deutschland)
  • Luzerner Kantonalbank (Schweiz)
  • ONO (Spanien)
  • Saudi Commission for Tourism and Antiquities (Saudi-Arabien)
  • Die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft (Schweiz)
  • WorkSafeBC (Kanada)
  • XL Group (Irland)

Die wichtigsten Erkenntnisse 2013

70 Prozent der Gewinner verwendeten Microsoft Sharepoint, aber mit umfangreichen Anpassungen. Gesamthaft hat sich die Grösse der Intranet-Teams verdoppelt, von 0,7 auf 1,4 FTE pro 1000 Mitarbeiter. Im Durchschnitt arbeiten 27 Personen an einem Intranet. Acht der zehn ausgezeichneten Intranets haben externe Berater hinzugezogen, für die Sharepoint-Entwicklung, aber auch für das Design und die Usability-Forschung.

Intranet Staff Growth
Wachstum der Intranet-Teamgrösse in Prozent der Gesamtzahl der Mitarbeiter des Unternehmens, 2001-2013 (Quelle: NN/g)

Es braucht Zeit, ein gutes Intranet aufzubauen: Intranets weisen in der Regel eine durchschnittliche Entwicklungszeit von 42 Monaten auf. Dieses Jahr lag der Durchschnitt bei 27 Monaten (mehr zum Reifegrad-Modell für Intranets). Mitarbeitende, die Inhalte bereitstellen, sollten möglichst früh in den Entwicklungsprozess eingebunden werden.

Auffallend ist, dass das Wachstum im mobilen Intranet-Bereich stagniert. Im Gegensatz zu 2011 stellt nur ein Gewinner - statt damals sechs - eine eigene mobile Version des Intranets bereit. Zwei weitere bieten einen mobilen Intranet-Zugang an, die Inhalte sind aber nicht auf den mobilen Zugang optimiert.

Und wie steht es um das Social Intranet?

Nielsen hatte 2009 erstmals untersucht, wie es um Social Intranets steht und war damals zum Schluss gekommen, dass "drei bis fünf Jahre ein üblicher Zeithorizont für soziale Intranet-Projekte sind." Jetzt, vier Jahre später, wurde das Thema nochmals genauer betrachtet. Nielsen stellt fest, dass kein Zweifel mehr besteht, dass soziale Features innerhalb von Unternehmen umso nützlicher sind, wenn es um die Zusammenarbeit der Mitarbeiter und um Wissensmanagement geht und benutzt dazu den "Klischee-Begriff" Unternehmen 2.0, um das Phänomen zusammenzufassen. Die neue Studie bestätigt, dass der echte Effekt der sozialen Features im Intranet darin liegt, die Funktionsweise von Organisationen zu verändern, indem man die Kommunikation offener gestaltet.

Die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammengefasst:

  • Wenig Training ist erforderlich. Die Nutzer verwenden soziale Werkzeuge ganz locker, wenn man sie ihnen aus den richtigen Gründen und im richtigen Kontext anbietet. Man braucht nur wenig Training, kaum Übergangszeit oder Überredungskunst, um die Menschen zum Mitmachen zu bewegen.
  • Trotz der Bedenken des Unternehmens, dass die Mitarbeiter soziale Features über Gebühr und in unangemessener Weise nutzen könnten, bleiben Missbräuche die Ausnahme.
  • Das Community-Management ist in sozialen Umgebungen von entscheidender Bedeutung. Die Community-Manager sind am effektivsten, wenn sie mit leichter Hand leiten anstatt zu kontrollieren. Mit diesen Aufgaben betraute Mitarbeiter sollten sich als Vermittler und Moderatoren verstehen; sie können auch Bereiche wiederbeleben, die sich nur schleppend entwickeln.
  • Nicht alle Nutzer sind auch Produzenten. Zwar hat sich die soziale Software weiterentwickelt, aber die Beziehung zwischen passiven und aktiven Teilnehmern ist gleich geblieben. Wie auch im öffentlichen Internet gibt es in Unternehmen ein deutliches Ungleichgewicht bei der aktiven Teilnahme: Einige Mitarbeiter engagieren sich stark, während andere nur mitlesen.
  • Die Suche muss integriert sein. Im Unternehmen ist es immer eine Herausforderung, an Informationen zu gelangen. Die sozialen Features verkomplizieren die Angelegenheit weiter, da viel mehr Daten im Spiel sind. Diese Features sind aber auch reich an Informationen und eine gute Suchfunktion ist der einzige Weg, diese zu erschliessen. Die richtige Reihenfolge ist immer noch so wie vor vier Jahren: die Bedürfnisse des Unternehmens steuern die Lösungen; die Lösungen erheischen die Werkzeuge, die Sie kaufen oder entwickeln müssen.
  • Viele Firmen mit bewährten sozialen Intranets stellen jetzt fest, dass die sozialen Komponenten auch wieder nur ein Silo sind - also ein Ort, wo Unternehmenstechniken in Kisten nebeneinander lagern, anstatt mit anderen Komponenten integriert zu werden. Mit der Fragmentierung der Techniken geht ein fragmentiertes Nutzererlebnis einher.

Verbilligt an die Intranet Best Practice Konferenz vom 3.7.2013

Das Internet-Briefing führt am 3. Juli in Bern die Intranet Konferenz durch. Vorgestellt werden neben dem Nielsen Top 10 Intranet der Mobiliar auch Projekte bei Ringier und der SBB. Für Nicht-Mitglieder kostet die reguläre Teilnahme eigentlich CHF 185.-, Leser des Wortgefechts können sich jedoch zum Mitgliederpreis von CHF 50.- anmelden, wenn sie während der Anmeldung im Feld "Ich bin Gast von" meinen Namen eintragen.

zur Anmeldung ›

Bildquelle: Image courtesy of suphakit73 / FreeDigitalPhotos.net

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