Deutschland: Handy-TV vor dem Aus?

N77 with DVB-H
Fernsehen am Handy bleibt ein Nischengeschäft. (allaboutsymbian.com)

Vorbei sind die Zeiten, da Marktforscher noch prognostizierten, bis 2011 werde Mobile-TV das Nummer-1-Medium im Mobilbereich sein. Mobiles Fernsehen auf dem Handy steht in Deutschland erneut vor dem Scheitern. Wie die «Financial Times» berichtete, steht auch der zweite Versuch, Fernsehbilder auf Mobiltelefone zu bringen, vor dem Aus. Nachdem der erste Versuch mit dem Standard DMB gescheitert ist und mittlerweile das Angebot gänzlich eingestellt worden ist, steht es auch um den Standard DVB-H schlecht. Der Grund dafür liegt in den fehlenden Frequenzen in vier Bundesländern, die Verhandlungen stocken. Deshalb sei der kommerzielle Start 2009 ernsthaft gefährdet, berichtete ein Insider der Zeitung. Neben den Frequenzen würden dem Betreiberkonsortium Mobile 3.0 zudem Vertriebswege sowie ein Geschäftsmodell fehlen. Das grosse Fragezeichen Konsument.

Die Verzögerungen bei der Frequenzzuteilung bedrohen die kommerziellen Chancen des DVB-H-Vorhabens. Als weiteres Hindernis erweist sich die Tatsache, dass es bei Mobile 3.0 noch keine genauen Geschäftsmodelle gibt. Der Vertriebsweg ist ebenso wenig konkret wie mögliche Zusatzdienste, die Kunden zur Zahlung von Abogebühren überzeugen sollen. Denn vor allem hier liegt ein grosser Stolperstein für das kostenpflichtige Ausstrahlen von TV-Programmen. Schliesslich müssen auch die Mobilfunkanbieter mit ins Boot geholt werden, um eine breite Masse von Handykunden ansprechen zu können. Allerdings sei es hier noch zu keinen Gesprächen gekommen, berichteten Insider. Vodafone hat sich vom mobilem TV via DVB-H bereits verabschiedet. In Grossbritannien ist das DVB-H-Angebot nach einem Jahr bereits wieder vom Markt verschwunden.

Die Situation in Österreich

Anders verhält es sich in Österreich: der DVB-H-Betreiber Media Broadcast startete rechtzeitig zur Fussball-EM mit der Ausstrahlung seines Programms. Mit im Boot waren von Anfang an die Mobilfunkanbieter One und 3. Die mobilkom austria ist nach anfänglichem Zögern auch noch auf den DVB-H-Zug aufgesprungen. Das Fernsehpaket der österreichischen Mobilfunkbetreiber kann für neun Euro monatlich erworben werden. Bis Ende des Jahres werben die Provider mit kostenlosem Service.

Geplänkel um Standards

Dass DVB-H jedoch nicht der Standard für HandyTV ist, mit dem alle Kunden zufriedengestellt werden, weiss man auch bei der mobilkom und bietet daher wie auch deutsche Netzbetreiber Handys, die kostenloses Fernsehen über DVB-T empfangen. Der Übertragungsstandard hat gegenüber DVB-H einige technische Nachteile. So kann beispielsweise die Interaktivität nur über die eigens für das Handy entwickelte Technologie realisiert werden. Die Bilder sind bei DVB-H extra für die Darstellung auf kleinen Displays angepasst, der Empfang beispielsweise auch in Autos ruckelfrei möglich. Zudem werden deutlich mehr TV-Kanäle ausgestrahlt. Das Kostenargument spricht jedoch für DVB-T.

Laut einer Studie (Medienmitteilung | Studie als PDF) der Unternehmensberater Accenture sind sowieso nur 17 Prozent der Mobilfunkkunden bereit, mobiles Fernsehen zu nutzen.

Quellen: pte, ft.de, accenture

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