Mediales Elitengeschwurbel
Die heutige Medienbeilage der altehrwürdigen NZZ ist der gegenwärtigen Medienkrise gewidmet, die mit dem rasanten Technologiewandel einhergeht. Dabei kreuzen Otfried Jarren, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Zürich, und Ronnie Grob, Blogger bei medienlese.com, die Klingen. Während für Jarren die klassischen Massenmedien «unersetzbare soziale Institutionen» darstellen, argumentiert Grob, dass durch das Internet «Demokratie und Wettbewerb gefördert werden». Und natürlich steigt auch ras., mein Lieblings-Journi bei der NZZ, von seinem hohen Ross herab und liest uns allen in seinem Kommentar die Leviten: «ohne Eliten geht es nicht».
Nostalgie und Bevormundung
Über die «Magazinrundschau» von Perlentaucher bin ich heute auf einen interessanten Artikel in der amerikanischen Zeitschrift «The New Republic» gestossen. Darin analysiert Paul Starr, Professor für Soziologie und Public Affairs in Princeton, gnadenlos die schlechte Lage der Zeitungen in den USA. Die Analyse, obwohl sehr sachlich und faktenreich niedergeschrieben, zeigt jedoch keine Lösungsvorschläge auf. Im Gegenteil, Starr verrennt sich in einer sehr traditionellen Auffassung der Funktion von Massenmedien und hält damit unverhohlen einem paternalistischen Medienbild die Stange. Offenbar steht für Starr eine «erziehende» Funktion der Medien im Vordergrund. Starr argumentiert, es sei - trotz dem aktuellen Niedergang der Zeitungen - «dies nicht die Zeit für Internettriumphalismus» (alle Übersetzungen von Perlentaucher). Denn statt einer (noch) breiter informierten Öffentlichkeit könnte das Internet auch eine Zweiklassen-Informationsgesellschaft herausbilden, meint Starr.
Von Eisenbahnen und Zeitungen
Aufstieg und Fall: früher oder später trifft es alle Magnaten. (stock.xchng)
Kennen Sie Leland Stanford? Oder Cornelius Vanderbilt? Die Namen klingen doch irgendwie vertraut - kein Wunder, ersterer war Gründer der gleichnamigen Ivy League-Universität, letzterer war Begründer der bekannten Unternehmerdynastie. Beide verbindet die Tatsache, dass sie zwei der vielen Eisenbahn-Barone in den USA des 19. Jahrhunderts waren. Sie waren gewissermassen die Bill Gates' ihrer Zeit. Oder besser, die Rupert Murdochs. Denn ihr Geschäftszweig, die Eisenbahn, wurde genauso durch neue Technologien verdrängt, wie es derzeit den klassischen Massenmedien widerfährt. Diese Analogie jedenfalls zieht James Surowiecki in der aktuellen Ausgabe des «New Yorkers».