Enterprise 2.0 für KMU (1) - Einführung

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Wie an anderer Stelle auch schon angekündigt, hat sich mein Fokus u.a. auch im Zusammenhang mit meiner neuen Stelle etwas weg von Social Media hin zu Social Software im Businessbereich und Cloud Computing verschoben. Setzt eine Organisation Social Software - oder eben auch Social Media-Anwendungen - für interne Prozessabläufe ein, so nennt man das gemeinhin Enterprise 2.0 (u.a. nach Andrew McAfee). Wie nun Enterprise 2.0 besonders von KMU genutzt werden kann, möchte ich im Rahmen einer kleinen Serie von Postings beleuchten. Heute beginne ich im Sinne einer Einführung mit einigen grundlegenden Begriffen und deren Definitionen.

Die meiner Meinung nach immer noch treffendste Definition des doch eher unscharfen Begriffs in seinem 2006 erschienenen Artikel "Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration" (PDF):

Enterprise 2.0 bezeichnet den Einsatz sich selbst entwickelnder Social-Software-Plattformen innerhalb des Unternehmens beziehungsweise zwischen dem Unternehmen und seinen Partnern oder Kunden.

SLATES - suchen, finden, kollaborativ bearbeiten

SLATESMcAfee beschreibt in seinem Aufsatz, wie typische Social Software-Anwendungen im Unternehmenskontext angewendet werden können, um die Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern zu verbessern. Er definiert diese mithilfe des Apronyms SLATES (dt. Schiefertafeln). Es steht für die Teilbereiche Search, Links, Authorship, Tags, Extensions und Signals.

Demnach funktioniert das Suchen (Search) von Informationen im Internet deutlich besser als in Intranets, weil eine grosse Masse von Nutzern durch Links diese Informationen strukturieren und werten, was wiederum von den Suchmaschinen ausgewertet werden kann. Damit Unternehmen auch von dieser „Weisheit der Vielen“ profitieren können, müssen sie mittels Autoren-Tools (Authorship) und Verschlagwortung (Tags) den Mitarbeitern ermöglichen, eine vergleichbare Masse an Informationen herzustellen. Mit Erweiterungen (Extensions) können diese neuen Tools in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden und Technologien wie RSS-Feeds (Signals) machen Änderungen verfolgbar.

Enterprise 2.0 ist plattformbasierte Kollaboration

Der Definition entsprechende Anwendungen zeichnen sich laut McAfee durch die folgenden Eigenschaften aus (Hervorhebungen von mir):

  • Sie basieren auf einer Plattform,
  • sie werden gemeinschaftlich bearbeitet, gepflegt und genutzt,
  • sie sind komplementär zu den existierenden Strukturen sowohl organisatorischer wie technischer Art,
  • Sie sind konvergent (Konvergenz: das Zusammenstreben und Aufgehen verschiedener Teilbereiche zu einem Ganzen, Wikipedia) und
  • sie sind emergent (Emergenz: das Erscheinen von Phänomenen auf der Makroebene eines Systems, die erst durch das Zusammenwirken der Systemelemente zustande kommen, Wikipedia), d.h. sie sind sich selbst entwickelnd (dynamisch, navigierbar, erweiterungsfreundlich, nicht elitär und Workflow-frei).

Die Schlüsselbegriffe sind hier komplementär und sich selbst entwickelnd. Das heisst nichts anderes, als dass diese Anwendungen - einmal eingeführt - kaum bis gar nicht kontrollier- und steuerbar sind. Ähnlich wie im Web 2.0 gegenüber Drittpersonen ein Kontrollverlust hin zum Guten stattfindet, erzwingt Enterprise 2.0 einen ebensolchen nach Innen. Dessen muss man sich bewusst sein, bevor man sich auf das Abenteuer Enterprise 2.0 innerhalb einer Organisation einlässt. Betroffen ist eben neben Organisation, Führung und Technologie auch die Kultur des Unternehmens. Diesen vermeintlichen Risiken bzw. dem Kulturwandel wende ich mich in einem weiteren Beitrag zu.

Rahmenmodell Enterprise 2.0
Aus: Mat, Ibrahim (2010): Enterprise 2.0 - Ein Rahmenmodell zur Identifizierung von Problemfeldern für die Einführung von Enterprise 2.0 aus Sicht der Unternehmensführung, Koblenz (Master-Thesis).

Vorteile von Enterprise 2.0 für KMU

Warum also sollte ein KMU Social Software aufgreifen und damit arbeiten? Ein grosser Vorteil liegt z.B. im Wissensmanagement. Die beste Knowledge-Management-Lösung ist nutzlos, ohne die Menschen, die hinter dem dort abgelegten Wissen stehen. Die meisten von uns neigen gerade in der Ablage und Organisation von Wissen zu einem "kreativen Chaos" – wir lassen uns nur ungern in ein starres Regelsystem pressen. Social Software kommt hier mit ihrem spontanen, nutzerorientierten Ansatz unseren Arbeits- und Denkweisen sehr entgegen.

Ein weiterer Vorteil ist die veränderte Kommunikationskultur. Klassischerweise geschieht diese in Unternehmen Top-Down, von oben nach unten. Social Software ermöglicht hier einen Partizipationsschub, der mit dieser Form der Kommunikation bricht und den Weg ebnet für einen kollaborativen Umgang. Dadurch wird die Teilhabe am Unternehmen einfach(er), unmittelbar(er), offen(er) und somit auch für den Einzelnen "erlebbarer". Die Mitarbeiter sind nicht mehr nur Empfänger, sondern zugleich auch Sender. Damit steigt nicht nur die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, sondern oftmals auch die Produktivität.

Die Vorteile von Social Software sind im Endeffekt also ökonomischer Natur: Steigerung der Produktivität, Beschaffung und Verkauf werden effizienter, Vereinfachung der internen und externen Kommunikation sowie zeitliche Verkürzung der Produkteentwicklung.

Mehr zu den Vorteilen folgt ebenfalls in einem weiteren Beitrag.

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